Neue ADAC-Geschäftsstelle in Passau

Die vergangen Jahre haben gezeigt, dass die Passauer Altstadt jeder Zeit von einem Hochwasser betroffen sein kann. Die im September 2015 neu eröffnete Geschäftsstelle des ADAC-Südbayern muss mit der Gebäudehülle, einschließlich der Ladeneinrichtung, auf eindringende Wassermassen reagieren können. Die Oberflächen der Gebäudewände und des Mobiliars sind wasserfest oder kommen gut mit Feuchtigkeit zurecht und große elektrische Geräte sind direkt unter die Decke montiert.

 

Licht und Materialität

Für den Kunden sollten die äußeren Zwänge, unter denen die Gestaltung der Geschäftsstelle geschah, nicht spürbar sein. Der Innenraum lebt von einem starken Hell-Dunkel-Kontrast. Wand- und Bodenflächen sind dunkel gehalten, dagegen ist die Decke hell konzipiert und weiße Möbel, brillant beleuchtet, bilden einen starken Gegensatz zu den dunklen Umgebungsflächen. Die deutlich akzentuierte Lichtführung leitet die Blicke der Passanten von außen tief in die Ladenfläche hinein. Da es sich um ein sehr altes Bauwerk handelt, konnten im Obergeschoss alte Mauerbereiche freigelegt werden, die einen Bezug zur Historie des Gebäudes herstellen.

Das Hochwasser und seine Folgen

Im Juni 2013 überschwemmte eines der bisher höchsten Hochwasser weite Teile der Passauer Altstadt. Die Bilder von Wassermassen, die bis zum ersten Obergeschoss reichten und Menschen, die mit Schlauchbooten gerettet werden mussten, sind noch in schrecklicher Erinnerung. In diesen Wassermassen versank auch die Geschäftsstelle des ADAC Südbayern und das Mobiliar und die Inneneinrichtung wurden zerstört. Für rund zwei Jahre bezog der ADAC einen alternativen Standort am Passauer Bahnhof, um am alten Standort wiederaufgebaut zu werden. Nach einer langen Trocknungsphase waren die Schäden durch das Hochwasser klar erkennbar. Durch den Boden, die umliegenden Mauern und die Schaufensterfassade war das Hochwasser 150 cm hoch eingedrungen und hatte den kompletten Innenausbau zerstört und die Baukonstruktion angegriffen.

 

Konsequenzen aus der Erfahrung

Es gibt in der Architekturgeschichte etliche Beispiele von Bauwerken im oder am Wasser wie zum Beispiel in Amsterdam oder Venedig. Für den Umgang von Innenarchitektur mit Wasser gibt es jedoch keine dokumentierten Vorbilder. Also musste ein vollkommen neues Konzept erarbeitet werden.
Das Abschotten der Schaufensterzone als einziger Hochwasserschutz reichte nicht aus.
Die Wasserfluten suchen sich die Wege über die mittelalterlichen Natursteinmauern und die undichte Bodenplatte hinein in das Ladeninnere.
Das Hochwasser dringt bis zu einer angenommenen Höhe von 150 cm ein. Nach dem Wasserhöchststand muss es ungehindert wieder abfließen können. Alle Bauteile und Einrichtungsgegenstände unter dieser gedachten Linie sind jetzt wasserfest oder einfach abzutransportieren.
Die Räume im Obergeschoss werden in „Trockenzeiten“ als Sozialraum und Schulungsbereich für die Mitarbeiter der Geschäftsstelle genutzt. Droht allerdings ein Hochwasser, werden dort in eigens dafür vorgesehenen stapelbaren Kisten Wertsachen, Kundendaten, Stühle, Papier und die elektronische Ausstattung der Geschäftsstelle aufbewahrt.
Die Computer und andere Elektrogeräte werden dann vom Netz getrennt und in den ersten Stock gebracht. Ein eigens angelegter elektronischer Übergabepunkt auf 155 cm Höhe ermöglicht es, alle Leitungen ohne Aufwand abzustecken.
Die Bodenflächen bestehen aus einem besonderen wasserresistenten Teerestrich und die Bestandswände sind mit einem Spezialputz belegt.
Die Möbel selbst können während des Hochwassers vor Ort bleiben. Nach dem Abfluss des Wassers können sie einfach in Teile zerlegt werden und werden dann von Schlamm und anderer Verschmutzung gereinigt.

 

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